Sirenen-Aquamanile | Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin

Aquamanile wurden zu Handwaschungen bei liturgischen Handlungen oder vor Mahlzeiten gereicht. Hier trägt die Sirene einen mit Lilien geschmückten, kronenartigen Kopfreif, ist also bekränzt mit einem christlichen Symbol für Unschuld und Reinheit. In der griechischen Mythologie sind Sirenen Wesen, die durch ihren betörenden Gesang vorbeifahrende Seeleute anlocken, um sie zu töten. So beschreibt es auch der Dichter Homer in der Odyssee. Eine Szene aus seinem antiken Epos ist im erhaltenen karolingischen Westwerk des Klosters Corvey zu finden: Dort zeigen die Reste des Bildprogramms den Kampf des Helden Odysseus mit dem Meeresungeheuer Skylla und einer langhaarigen Sirene – halb Frau, halb Vogel.
Dieses Sirenen-Aquamanile – ein erstrangiges Werk mittelalterlichen Bronzegusses – gehört zum Schatz des Stiftes St. Dionysius in Enger/Herford. Das kleine westfälische Kloster hatte mächtige und großzügige Gönner, die ihm herausragende Werke mittelalterlicher Schatzkunst schenkten, von denen noch weitere in der Ausstellung zu sehen sind.


Ausstellungsabteilung: „I. Wibald von Stablot und die zweite Blüte Corveys“